HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

Hat das Telefon heute inzwischen ausgedient?


Fragen Sie sich manchmal, ob und wozu jemand im Zeitalter von E-Mail und Textnachrichten überhaupt noch das Telefon zum Sprechen benutzen muss? Es gibt Hörende, die sind der Meinung, dass Gehörlose heute dank neuen textbasierten Kommunikationswegen das Telefon nicht vermissen. Aber Hörende benützen nicht nur E-Mail und SMS, sondern sie telefonieren weiterhin wie gewohnt mit anderen Menschen. Fast jeder hat inzwischen ein Handy und so wird heute vermutlich mehr denn je telefoniert, E-Mail und SMS kommen einfach noch dazu. Wir haben heute also einfach sehr viel mehr Kommunikation als früher. Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass verständlicher und besser kommuniziert wird. Denn mit der heutigen grossen Informationsmenge werden wir immer stärker überflutet von Banalem, Belanglosem und lästigem Spam.
Neben dem persönliche Gespräch ist das Telefon der direkteste und persönlichste Draht zu einem anderen Menschen.




SMS oder E-Mail statt Telefonieren?


Die moderne Technik ist äusserst praktisch, um rasch jemandem eine Nachricht zu senden. Manchmal erzielen wir aber beim Empfänger eine unerwünschte oder unpersönliche Wirkung. Beispielsweise ist eine SMS etwas "saloppes" und nicht unbedingt für streng seriöse oder vertrauliche Mitteilungen geeignet. SMS ist eignet sich zwar gut für Kurzmitteilungen unter Kollegen, beispielsweise zum Abmachen oder bei Verspätungen. Aber ein Heiratsantrag :-) oder gar eine Kündigung :-( sind wohl nicht wirklich angebracht über SMS. Denn Vertrauliches und zu Gewichtiges via SMS zu senden ist weder seriös noch taktvoll. Eine taktlose SMS kann dadurch auch jemanden gewaltig verärgern.
Das Telefon ist nach wie vor die beste Lösung, wenn es um einen raschen und persönlichen klärenden Dialog geht. Denn wenn es ein Hin- und Her gibt an Fragen, Antworten und Rückfragen, dann wird das auch mit E-Mail schnell mühsam. Ein klärendes Telefongespräch ist oft auch freundlicher als ein endloser E-Mailverkehr.




"Sag’s doch schnell per Telefon!" - Warum eigentlich?


Ohne Telefon wäre man oftmals richtig aufgeschmissen. Dank dem Vermittlungsdienst können auch Gehörlose - jemanden spontan anrufen - telefonisch eine Wohnung suchen - Stellensuche und Bewerbungsanfragen machen - im Krankheitsfalle den Hausarzt anrufen - einen Termin telefonisch vereinbaren - private Telefongespräche zum Plaudern mit Familienangehörigen, Freunden, Kollegen und Bekannten führen. Gehörlosigkeit behindert die Kommunikation. Der Zugang zum Telefon ermöglicht eine grössere Selbständigkeit und hilft beim „Dazugehören“.




Wie funktioniert die Telefonvermittlung?


Um auch wie Hörende selber mit einem anderen Menschen ein Gespräch am Telefon führen zu können, benötigen Gehörlose einen kompetenten Vermittlungsdienst.
Vermitteln = Telefon-Dolmetschen: Zwischen dem Gehörlosen am Schreibtelefon und dem Hörendem am Sprechtelefon ist ein Mensch dazwischen, wie in einem Sandwich. Diese Rolle ist vergleichbar mit einem Gebärdensprach-Dolmetscher, der persönlich anwesend das Gespräch zwischen Gebärden- und Lautsprache übersetzt. Und zwischen Kulturen vermittelt, Missverständnisse ausräumen kann durch die grosse Erfahrung als kompetente Dolmetscherin. Also auch Gesprochenes "zwischen den Zeilen" oder Lautstarkes wahrnimmt und sachlich und moderat übersetzt. Auch als Nachteilausgleich für den Gehörlosen da ist und hilft, wenn Stimmungen von Hörenden im Telefongespräch nicht bemerkt werden. Nur dann kann eine Verständigung am Telefon - trotz Handicap der Gehörlosigkeit - optimal sein.




Vermittlungsdienste auch im Ausland?


Ausser der Schweiz gibt es nur ganz wenige Länder, in denen für Gehörlose Telefonvermittlungsdienste hilfreich zur Seite stehen. Die Telefonvermittlung ist für Schweizer Gehörlose seit über 30 Jahren beinahe selbstverständlich.




Was bringt die Kommunikation der Zukunft?


Braucht es die Vermittlung noch in 10 Jahren? Oder wird es dann am Telefon Computerlösungen mit Spracherkennung geben, die Gehörlosen als Kommunikationshilfe einen direkten Telefonanruf ohne Vermittlung ermöglichen? Bei aller Begeisterung für die raschen technischen Fortschritte, die in den letzten Jahren gemacht wurden: Gerade bei Computer-Übersetzungen in Fremdsprachen sieht man deutlich, dass Grenzen gesetzt sind und Missverständnisse entstehen können, weil ein Computerprogramm eben inhaltlich kaum Zusammenhang im Sinn der Worte und Sätze erblicken kann. Dem Computer fehlt das "Sprachgefühl" ebenso wie der "gesunde Menschenverstand". Ähnliches gilt auch für die Spracherkennungsprogramme. Man trainiert damit, bis sich der Computer an die eigene Stimme und die persönlichen Merkmale der Aussprache gewöhnt hat, bzw. diese gelernt hat. Trotzdem schreibt der Computer zwischendurch immer wieder Merkwürdigkeiten, die vielleicht lustig sind, wenn wir diese Fehler am Bildschirm entdecken. Aber möchten wir mit diesem Risiko eine verbale Kommunikation mit einem Menschen führen? Und dabei nie ganz sicher sein, dass sich nicht ein Spracherkennungsfehler eingeschlichen hat, der zu einem unbemerkten oder gar peinlichen Missverständnis führt? Wer weiss, vielleicht wird es dereinst eine gute Lösung geben, aber in naher Zukunft ist wohl nicht damit zu rechnen.




Was ist mit Videochat?


Eine praktikable Lösung für Gehörlose ist der Videochat nur, wenn beide Gesprächsteilnehmer sich via Bildschirm in Gebärdensprache oder/und durch Lippenablesen verständigen können. Die Grenzen in der Verständigung mit Hörenden sind dadurch (ohne Vermittlungsstelle dazwischen) klar gesetzt. Kommt dazu die Frage: Will man sich am Telefon wirklich immer sehen? Auch am morgen früh, vor dem ersten Kaffee? Bei heiklen Gesprächen? In unangenehmen Situationen (den Chef anrufen, weil man verschlafen hat)? Sich hören aber sich dabei nicht gegenseitig sehen, das ist ein Bestandteil der bisherigen hörenden "Telefonkultur". Und es ist anzunehmen, dass es vielen Menschen recht ist, wenn es so bleibt.




Warum ist die Vermittlung der Gehörlosenzentrale gratis?


Die Stiftung Alexander Graham Bell finanziert sich ausschliesslich über freiwillige Spenden und Gönnerbeiträge und ist so auch unabhängig von staatlichen Subventionsgebern oder kommerziellen Sponsoren. Wir sind der Überzeugung, dass die von uns erbrachten Kommunikationshilfen für Gehörlose nicht nach dem „Verursacherprinzip“ von den Benützern voll finanziert werden sollen. Dies würde auch die Möglichkeiten der meisten Benützer vollständig überfordern. Natürlich spricht nichts dagegen, dass auch Gehörlose mittels freiwilliger Spenden einen eigenen Beitrag an die Kosten unserer Dienstleistung beisteuern.




Warum ist die Bell-Vermittlung nicht länger offen?


Weil die Hauptkosten der Vermittlung durch den intensiven Personalaufwand entstehen, können wir nur Öffnungszeiten im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten anbieten. Zur Zeit sind dies die bekannten Öffnungszeiten. Sobald es die finanzielle Situation erlaubt, werden wir selbstverständlich sowohl einen Ausbau der Öffnungszeiten als auch der Anzahl der gleichzeitig besetzen Vermittlungs-Arbeitsplätze vorantreiben.