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2. Ursachen und Feststellung von Gehörlosigkeit

Medizinisch wird Taubheit (lateinisch: Surditas) unterschieden nach absoluter Taubheit für alle Schallreize und nach praktische Taubheit mit Hörverlust für laute Umgangssprache bei noch vorhandener Wahrnehmung einzelner Töne u. Geräusche (> 70 dB).

Angeborene T. kann entweder vorgeburtlich erworben sein (durch Röteln-Embryopathie, Rh-Inkompatibilität mit Kernikterus, Labyrinthitiskonnatale Syphilis) sein oder als isolierte erbliche Form (meist autosomal-rezessiv) sowie im Rahmen von Fehlbildungssyndromen (z.B. Alport-, Jervell-Lange-Nielsen-, Waardenburg-, Cockayne-, Pendred- u. Usher-Syndrom) auftreten. Erworbene T. (Innenohrschaden) kann als Folge von z.B. (Meningokokken-)Meningitis, Enzephalitis, Scharlach, Masern, Tuberkulose, Osteomyelitis, Mittelohr-Erkrankungen, Otosklerose, (Baro-)Trauma u.a. (bei absoluter T. stets mit Innenohr- oder Hörnervbeteiligung) auftreten.

Nach dem Schlüssel der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD10) wird für Taubheit bzw. Gehörlosigkeit die medizinische Code-Bezeichnung "H91.9" verwendet. Neben dem generellen Befund „Taubheit“ werden folgende weitere Formen definiert:

• Psychogene Taubheit (F44.6)
• Rindentaubheit (H90.5)
• Seelentaubheit (R48.1)
• Worttaubheit (F80.2)
• Zentrale Taubheit (H90.5)

Diese Auflistung weist übrigens darauf hin, dass Taubheit auch anders als durch eine Beeinträchtigung der Hörorgane bedingt sein kann. So bezeichnet "Zentrale Taubheit" den Sachverhalt, dass die Hörorgane intakt und funktionsfähig sind, jedoch im Hirn keine Verarbeitung der Höreindrücke erfolgt.

Eine von Geburt an vorliegende Beeinträchtigung des Gehörs wird häufig erst spät erkannt. Das Alter bei breiteste Gebärdensprache dürfte die American Sign Language (ASL) sein.

Die Gebärdensprache wird vorrangig im Kontakt von Gehörlosen untereinander benutzt. Im Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft wird die Lautsprache benutzt, soweit dies individuell möglich ist.

Gebärdensprachen werden daneben auch von Hörenden benutzt, z.B. von Gebärdensprach-Dolmetschern, Pädagogen oder allgemein an Gebärdensprache interessierten Menschen. Zudem sind die Gebärdensprachen aufgrund ihrer Besonderheiten für Linguisten ein hochinteressantes Forschungsgebiet.



[Enzyklopädie: Gehörlosigkeit. DB Sonderband: Wikipedia 2005/2006]