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Gebärdenunterstüzende Kommunikation

Die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) (alternative Schreibweisen: Gebärden unterstützte Kommunikation, Gebärdenunterstützte Kommunikation) ist ein Teilbereich der unterstützten Kommunikation (UK).

1. Prinzip
2. Förderanspruch
3. Einsatzspektrum
4. vergleichbare Systeme
5. Weblinks
6. Literatur
7. siehe auch

1. Prinzip

Diese Methode zur Sprachanbahnung soll Kindern mit einer verzögerten Lautsprachentwicklung, die jedoch über ein gewissen Maß kontrolliert einsetzbarer Gestik verfügen und bei denen der Lautspracherwerb erwartet werden kann, zum einen verstehbare Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen, und zum anderen den Prozess des Erlernens des Lautsprachausdrucks (expressive Sprache) durch die visuell-bildhafte Verdeutlichung unterstützen. Dies geschieht durch den Einsatz sogenannter GuK-Karten und vergleichsweise einfach gehaltener sprachbegleitender Gebärden.

Die Nutzung der Gebärden beginnt sehr früh durch nahe Bezugspersonen des Kindes (Eltern, Geschwister usw.), die dem Kind lautsprachlich unterstützt regelmäßig genutzte Begriffe vorgebärden (z.B. für trinken, essen, schlafen, geben, holen). Durch die beständige Wiederholung lernt das Kind, bestimmte Begriffe mit einer bestimmten Tätigkeit zu verbinden und diese wiederum mit einem bestimmten Wort und einer bestimmten Gebärde zu verbinden.

Sobald entweder Gestik oder Lautsprache das benötigte Niveau erreicht haben, wird das Kind beginnen, die bisher kognitiv erfassten Begriffe entweder lautsprachlich zu artikulieren oder zu gebärden.

2. Förderanspruch

Die eingesetzten, zum Teil individuell gehaltenen und variierten, da an den jeweiligen motorischen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes orientieren, GuK-Gebärden sollen den Lautspracherwerb fördern, aber keinesfalls die Lautsprache ersetzten. Aufgrund dessen wird mit der Zunahme lautsprachlicher Artikulationsfähigkeit die Verwendung der nonverbalen Zeichen nach und nach eingeschränkt, wobei in der Übergangsphase meist sowohl gebärdet als auch lautsprachlich artikuliert wird, bevor die Gebärden aussetzen. In allen bisher dazu angelegten Studien, die unabhängig voneinander durchgeführt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass das nach wie vor bestehende und leider auch bei vielenLogopädInnen bestehende Vorurteil, durch Gebärdennutzung würde die Lautsprachentwicklung verzögert, keinesfalls zutrifft. Im Gegenteil erreichen mit GuK geförderte Kinder schneller lautsprachliche Artikulationsfähigkeiten, als dies im Hinblick auf ihre jeweilige Behinderung erwartet wird.

Bei der GuK-Methode werden keine ganzen Sätze und keine grammatischen Strukturen gebärdet, sondern lediglich die in einem bestimmten situativen Zusammenhang jeweils bedeutsamen Schlüsselwörter.

3. Einsatzspektrum

Insbesondere für viele Kinder mit Down-Syndrom (Trisomie 21), aber durchaus auch für Kinder mit anderen Behinderungen bzw. ursächlich anders begründeten Entwicklungsverzögerungen im Bereich der Lautsprachentwicklung und/oder solchen mit vorerst eingeschränkter Hörfähigkeit ist das GuK-System zu einem wichtigen Hilfsmittel für die zwischenmenschliche Kommunikation geworden. Nicht zuletzt profitieren auch Eltern und andere Bezugspersonen der Kinder von der Möglichkeit der Verständigung durch GuK bzw. von den dadurch erweiterten Fähigkeiten der Kinder, ihre Bedürfnisse und Wünsche verständlich auszudrücken.

Da es generell so ist, dass die kognitive Auffassungsgabe und die rezeptive Sprache (Lautsprachverständnis) auch bei Regelkindern stets schneller voransschreitet als ihre expressive Sprache (Lautsprachausdruck), nutzen auch immer mehr Eltern von Regelkindern das GuK-System. Sie ermöglichen es ihren Kindern dadurch, sich bereits vor dem Erwerb der Lautsprache gemäß ihren jeweiligen kognitiven Fähigkeiten verständlich auszudrücken und sich mitzuteilen.

Entwickelt wurde das GuK-System von Prof. Dr. Etta Wilken. Es findet hauptsächlich Anwendung im privaten Umfeld der Kinder, in Kindergärten und an Schulen für Menschen mit kognitiver Behinderung und wird nur so lange eingesetzt, bis das Kind die Möglichkeiten der lautsprachlichen Kommunikation angemessen zur Verständigung nutzen kann.

4. vergleichbare Systeme

Für Kinder mit einer bestehenden Hörschädigung eignen sich die Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG). Sie verwendet wie die GuK auch keine grammatischen Strukturen sondern nutzt Schlüsselwörter eines Satzes parallel zum Lautsprachbebrauch. Der Vokabelschatz entstammt aus der Deutscher Gebärdensprache (DGS) im Gegesatz zu den vereinfachten Gebärden des GuK-Systems. Dies erleichtert eine etwaige spätere Beschulung an einer Schule für hörgeschädigte Kinder, wo auch LUG zum Einsatz kommt.

Zum Gebärdeneinsatz in der unterstützten Kommunikation gibt es verschiedene Überlegungen, die unter [link] im Artikel von Ursula Braun "Keine Angst vor Gebärden" gut zusammen gefasst sind.

5. Weblinks

• Viele Informationen zu GuK, u.a. GuK-Karten-Beispiele

• Förderung des Spracherwerbs durch die Gebärden- unterstützte Kommunikation (GuK) bei Kindern mit Down-Syndrom

• Keine Angst vor Gebärden

6. Literatur

• Wilken, Etta: Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom. Mit ausführlicher Darstellung des GuK-Systems

• Wilken, Etta: GuK 1 - Grundwortschatz & GuK 2 - Aufbauwortschatz Bestelladresse

• DS-InfoCenter: Arbeitsmaterial: GuK Bestelladresse



7. siehe auch

• Unterstützte Kommunikation

• Gestützte Kommunikation

• Gebärdensprache

[Quelle] [Enzyklopädie: Gebärdenunterstützte Kommunikation. DB Sonderband: Wikipedia 2005/2006, S. 287819]